Gartenkunst im Lauf der Epochen


Was ist Gartenkunst?

Das hängt stark vom Geschmack und den Bräuchen der jeweiligen Epoche ab. Wie sich Erscheinungsbild und Nutzung von höfischen Gärten im Laufe der Jahrhunderte gewandelt haben, konnte man bei einer Führung durch das Gartenkunstmuseum im Schloss Fantaisie erfahren. Zu den Residenztagen Bayreuth zeigte Antje Brüning von der Bayerischen Schlösser- und Gartenverwaltung in ihrer Themenführung "Das Schöne mit dem Nützlichen verbinden", wie sehr das gesellschaftliche Leben und die Ideale der jeweiligen Zeit Einfluss auf die Gestaltung der Gartenanlagen nahmen.

Während im Mittelalter die durch die Burgmauern eng begrenzten Gärten nach dem Vorbild des Paradieses gestaltet worden seien, habe man in der Renaissance die mathematische Ausrichtung zum Ideal erklärt. Heckenquartiere, Treppenanlagen und Laubengänge seien nach dem Muster antiker Gärten angelegt worden. Im Barock habe die Gartenkunst, die als Kunstrichtung bei weitem weniger bekannt sei als die Architektur, Bildhauerei und Malerei, dann ihren Höhepunkt erreicht, erläuterte Brüning. Der Garten sei im Selbstverständnis des absolutistischen Herrschers ein repräsentatives, pompöses Aushängeschild gewesen. Alle Wege und Gewässer seien achsenförmig auf das Schloss in der Regel sogar auf den Thronsaal hin ausgerichtet worden. Bestes Beispiel für barocke Gartenkunst sei der Versailles-Garten von Ludwig XIV. gewesen. Ein Areal, das als Vorbild für viele Gartenanlagen gedient haben: "Jeder wollte damals sein kleines Versailles haben." Einen krassen Wandel im Gartenideal habe dann der Klassizismus mit sich gebracht. Die Idee der Aufklärung, "Zurück zur Natur", habe den Garten als Refugium zum Wandern, Nachdenken und Erholen gesehen. "Eine kleine süße Welt", so Brüning, in der weite Wiesen, Hügel, Baumgruppen und im Idealfall Hirten mit ihren Schafen ein poetisches Bild boten. In allen Epochen sei dem Wasser eine entscheidende Bedeutung bei der Gartengestaltung zugekommen. "Wasser ist die Seele eines Gartens", habe Friedrich Ludwig Sckell gewusst, der im Nymphenburger Schlosspark ein wahres Meisterwerk der Gartenkunst geschaffen habe. Während im Barock geradlinige Wasserkanäle und "springende Wasser" wie Fontänen und Kaskaden den Prunk der Herrschaft noch unterstreichen sollten, gehe es im Landschaftspark darum, mit der natürlichen Gestaltung von Seen und Bachläufen Natürlichkeit zu schaffen und die Jahreszeiten erlebbar zu machen.

Antje Brüning

Bayer. Schlösserverwaltung


 

 

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