Aufsatz von Karl Müssel

Historischer Verein von Oberfranken, Bayreuth

(in: Frankenland, Heft 4, August 2000)


Schloss Fantaisie

und die letzte Bayreuther Prinzessin

(Teil 1)

 

Herzogin Elisabeth Friederike Sophie (1732-1780

(Unbekannter Maler, um 1763)

 

 

Wenige Kilometer westlich von Bayreuth liegt Donndorf, das seit 1978 zur Grossgemeinde Eckersdorf im Landkreis Bayreuth gehört. Sehenswürdig ist in Donndorf vor allem das Schloss Fantaisie mit seiner Parkanlage. Jedermann hat dort freien Eintritt in das von Jean Paul gepriesene "Lust- und Rosen- und Blütental", das der Dichter zusammen mit dem Schloss sogar über die weithin bekannte Eremitage stellte, die er in seinem Roman "Siebenkäs" als den "zweiten Himmel um Bayreuth" lobte, jedoch mit dem Zusatz versah, "denn Fantaisie ist der erste und die ganze Gegend der dritte". Seit Jean Pauls Tagen haben Schloss und Park neben positiven Impulsen auch viele destruktive Veränderungen und Zeiten völliger Vernachlässigung hinnehmen müssen und manches von ihrer einstigen reizvollen Ausstrahlung eingebüßt. Erst seitdem die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen Betreuung und Pflege und der bayerische Staat die Unterhaltung übernommen haben, ist etwas schrittweise gelungen, nach einem langfristigen Restaurierungskonzept die Gesamtanlage so neu zu gestalten, daß auch die vorher vielfach überlagerte und vergessene Phase der Gründungszeit wieder zu ihrem Recht kommt. Dies wiederum ist Anlaß genug, nach einem kurzen Rückblick in die Vorausgegangenen Jahrhunderte die Ära der Taufpatin und ersten Schloßherrin genauer zu betrachten und zu würdigen: Schloss Fantaisie und sein Park verdanken Namen und erste Gestaltung der Tochter des Markgrafen Friedrich und seiner Gemahlin Wilhelmine, der Herzogin Elisabeth Friederike Sophie von Württemberg, Bayreuths letzter Prinzessin.

Um zu erklären, warum diese als noch junge Frau und Herzogin von Württemberg ausgerechnet Donndorf zu ihrem Lieblingssitz machte, müssen wir ihrer Lebensgeschichte kennen, aber auch die ältere Vergangenheit dieses kleinen Orts vor den Toren Bayreuths kurz aufzeigen. Donndorf war im späten Mittelalter ein Rittersitz der Herren von Tanndorf (Tandorff) und hatte seine Besitzer bereits mehrmals gewechselt, als es nach der Reformationszeit an die Herren von Lüchau kam. Der letzte aus dieser Familie, geboren 1685, war Friedrich Ludwig von Lüchau, der außer Unterleinleiter Donndorf und Eckersdorf besaß und dort Kirchenpatron war. Er hatte wie seine Vorfahren Donndorf als Lehen der Bayreuther Markgrafen und stand als Geheimer Rat und Amtmann von Bayreuth auch im Dienste der Landesherren. Als Friedrich Ludwig 1757 söhnelos starb, konnte Markgraf Friedrich, der Gemahl der Wilhelmine, wieder neu über die Rittergüter Eckersdorf und Donndorf verfügen. Da er diese nicht mehr als Lehen vergab, ist anzunehmen, daß er sie in seine eigenen Planungen einbeziehen wollte. Wie er anfänglich darüber dachte, wissen wir nicht. Er heiratete nach dem Tod Wilhelmines 1759 die braunschweigische Prinzessin Sophie Karoline Marie. 1761 erteilte er den Auftrag zur Errichtung eines neuen Schlosses neben dem ehemaligen Lüchauschlößchen. Der nicht erhaltene Plan stammte vermutlich von Rudolf Heinrich Richter, dem Leiter des Hofbauamts, dem damals schon Carl Gontard zur Seite stand. Als am 26. Februar 1763 Markgraf Friedrich plötzlich starb, war das neue Donndorfer Schloß erst im Rohbau fertig. Seine Witwe zog in das Schloß nach Erlangen. Friedrichs Nachfolger als regierender Landesfürst wurde sein Onkel Friedrich Christian, der an der Fertigstellung des Donndorfer Schlosses kein Interesse hatte. Markgraf Friedrich hinterließ als einzige Tochter die 1732 in Bayreuth geborene Elisabeth Friederike Sophie, die Herzogin von Württemberg, deren Lebensgeschichte wir uns nun zuwenden.

Nach ihrer mit großem Aufwand gefeierten Bayreuther Hochzeit war Elisabeth Friederike Sophie an der Seite ihres jungen Gemahls, des Herzogs Karl Eugen von Württemberg, am 12. Oktober 1748 in Stuttgart eingezogen. Die 16jährige Bayreuther Prinzessin war nun "regierende Herzogin" geworden, hatte allerdings keinerlei Einfluß auf Landespolitik und Regierung. Anfangs schien alles gutzugehen: Die evangelischen Untertanen freuten sich, an der Seite des katholischen Landesherrn eine evangelische Fürstin zu wissen. Bald beschränkten sich aber die gemeinsamen Interessen und Aktivitäten des Fürstenpaares nur noch auf Oper, Theater und andere Festlichkeiten des Hofes. Als der erwartet Thronfolger ausblieb und das einzige Töchterchen im Säuglingsalter starb, kühlte sich das Verhältnis der jungen Ehegatten merklich ab. Eine Italienreise hielt 1753 das Paar noch eine Weile zusammen. Als aber der Herzog nach der Heimkehr weiterhin zahlreiche Mätressen hielt, seiner Frau Demütigungen zumutete und 1765 ohne ihr Wissen despotisch Vertrauenspersonen der Herzogin, darunter ihre Freundin, die Kammersängerin Marianne Pirker, verhaften und ohne Gerichtsverfahren einkerkern ließ, kam es zum endgültigen Bruch. Da der Herzog sogar seine eigene Mutter nach einer Auseinandersetzung in Göppingen unter Hausarrest hielt, hatte Friederike allen Grund, auch für sich Schlimmes zu befürchten. Sie kehrt 1756 zu ihren Eltern zurück und ließ sich nicht mehr zu einer Rückkehr nach Württemberg bewegen. 1759 erreichte ihr Vater Markgraf Friedrich, daß ihr der Herzog eine getrennte württembergische Hofhaltung im markgräflich-bayreuthischen Neustadt an der Aisch zubilligte. In der kleinen Stadt abseits der Residenzen fand Friederike, die sich selbst "Friderique" nannte und meist Französisch sprach und schrieb, auf einige Jahre ihre Bleibe im dortigen Schloß. Auf die Dauer konnte dieses Asyl freilich der an ein anspruchsvolleres Hof-, Gesellschafts- und Kulturleben gewöhnten Hocharistokratin nicht genügen. Standesgemäße Repräsentation, vor allem aber ein Leben nach ihrem Geschmack konnte sie nur im Umfeld des Bayreuther Hofes finden.

Mehr als ein Provisorium konnte Neustadt fürs sie freilich nicht sein. Die württembergischen Landstände, welche die Neustädter Hofhaltung bezahlen mußten, forderten, daß diese nach Württemberg verlegt werden sollte. Ihr Onkel in Potsdam, der preußische König, bot ihr eine "Retraite" in der Nähe seines Hofes an. Dort wäre sie aber nur eine von vielen Prinzessinnen und renommierten Damen gewesen. So ging sie auf das gutgemeinte Angebot nicht ein. Vielmehr verhandelte sie in Bayreuth mit ihrem Großonkel Markgraf Friedrich Christian. Schon am 6. Juni 1763 konnte sie dem preußischen König mitteilen, daß ihr der Markgraf einen im Fürstentum Bayreuth liegenden Wohnsitz angeboten habe, der "weniger traurig sei als der in Neustadt". Ob damit bereits Donndorf gemeint war, wissen wir nicht. Zumindest war es aber zu dieser Zeit schon im Gespräch. Ein Vierteljahr später, am 20. September 1763, unterzeichnete der Markgraf die Urkunde, mit der Friederike ihrem Großonkel mit Zustimmung des Königs die Juwelen ihrer Mutter auf Lebenszeit überließ, dafür aber von diesem "das Guth und Schoß zu Donndorf und Eckersdorf ad dies vitae" erhielt. Die Übergabe von Schloß Donndorf und den beiden Rittergütern Donndorf und Eckersdorf fand am 21. Oktober 1763 statt. Alle Untertanen und Lehnsleute waren dazu geladen. Das Protokoll nannte fünf geistliche und weltliche "Diener", 31 Untertanen in Donndorf, 59 in Eckersdorf, 24 Auswärtige und 48 Lehnsleute in Donndorf. Auswärtige Untertanen wurden aus mehr als 30 Ortschaften genannt, die in den heutigen Landkreisen Bayreuth, Kulmbach, Kronach und Hof liegen.

Mit der offiziellen Übernahme war freilich nur der erste Schritt getan. Nun mußte erst einmal das Schloß fertiggestellt und die Übersiedlung vorbereitet werden. Friederikes württembergischer Oberhofmeister verstand es, alles zu verzögern. Als sie endlich im Juni 1765 in Donndorf einziehen konnte, übernahm sie kein schlüsselfertiges Haus, aber sie konnte jetzt selbst mit Nachdruck den Fortgang der Arbeiten betreiben. Da sich zu ihrer Enttäuschung herausstelle, daß das Schloß für einen Aufenthalt im Winter ungeeignet war, mußte sie dem Markgrafen dankbar sein, daß ihr dieser für die kalte Jahreszeit das Alte Schloß in Bayreuth zur Verfügung stellte.

Es dauerte weitere zwei Jahre, bis ihre Lebensverhältnisse soweit verbessert und abgesichert waren, wie sie es sich wünschte. Viel verdankte sie dabei ihrem Onkel, dem König Friedrich dem Großen, an dessen Hof sie sich von November 1766 bis Juli 1767 aufhielt. Nach langen Verhandlungen war ein Vertrag zwischen den Bevollmächtigten des Herzogs und denen des Königs unterzeichnet worden, der folgende Verbesserungen enthielt: Die pünktliche Auszahlung ihrer Pension wurde zugesichert. Sie mußte wegen ihres Aufenthaltsortes keine Erlaubnis mehr einholen. Sie erhielt auch freie Hand bei der Wahl ihrer gesamten Dienerschaft. Im Klartext hieß dies: Sie war nicht mehr abhängig von den Launen ihres Gemahls. Sie hatte, getrennt von ihm lebend, in ihren Verhältnissen größtmögliche Freiheit erreicht. Als neuen Oberhofmeister bestimmte sie nun einen Mann, der noch als Kammerherr bei ihrer Mutter tätig war. Es war Friedrich Carl Ludwig Ernst Freiherr von Künßberg. Ein treuer Helfer blieb ihr der schon in der Neustädter Zeit immer wieder mit Rat und Tat einspringende Nürnberger Patrizier Christoph Joachim Freiherr Haller von Hallerstein. Dieser hat zwar in einem Brief an seine Frau mit sehr kritischen Worten die noch von den Württembergern dominierte Hofhaltung beim Geburtstag 1767 beschrieben und die verwünscht, "die die Großen so verblenden helfen", blieb aber der unglücklichen Herzogin treu und konnte erleben, daß sie die Dinge nun besser in den Griff bekam. Einschneidende Änderungen für Bayreuth und auch für Friederike brachte das Jahr 1769. Am 20. Januar starb Markgraf Friedrich Christian. Mit ihm erlosch die Kulmbach-Bayreuther Linie der Hohenzollern. Neuer Landesherr wurde der schon in Ansbach regierende Markgraf Alexander, ein Vetter Friederikes. Bayreuth war keine Residenzstand mehr, die Bayreuther Hofbediensteten wurden entlassen. Für Friederikes immer noch nominell "württembergische" Hofhaltung bedeutete dies sogar eine Aufwertung, zumal sie sich mit dem neuen Markgrafen gut verstand.


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Schloß und Garten Fantaisie